Geboren um zu sitzen?

On 7. August 2014

Das erste, was ein neuer Erdenbürger instinktiv lernen will, ist gehen. Das erste, was er wieder verlernt, ist gehen.

originfit_natural_squat KopieBei Beobachtungen von noch ursprünglich lebenden Naturvölkern, weit ab von der modernen Zivilisation, sind Verhaltens- und Bewegungsmuster zu erkennen, die uns heute vollkommen fremd sind. An diesen Völkern können wir aber ablesen, wie unsere Vorfahren als Jäger- und Sammler gelebt haben. Da wir noch heute diese Gene in uns tragen, hilft uns dies zu verstehen, welche Fähigkeiten und Bedürfnisse unser Körper einst hatte und wie durch ein Fehlen dieser Faktoren Krankheiten und körperliche Dysfunktionen entstehen.
Die Menschen in unserem Naturvolk kommen zum Essen zusammen. Stühle und Tische sucht man hier allerdings vergeblich. Sie hocken bei einander. Wir alle kennen vermutlich diese Bilder aus dem Fernsehen, wie sie in hockender Weise ihre Mahlzeiten bereiten. Das tun diese Menschen nicht, weil sie nicht intelligent genug wären Stühle zu bauen, sondern weil sie instinktiv diese Haltung im Kindesalter annehmen und behalten. Denn die tiefe Hocke ist unsere natürliche Ausruh-Haltung. Der moderne Mensch ist aber schlauer als die Natur und kann es sich noch praktischer und perfekt_squat_childbequemer machen. Er erfindet Stühle und Tische, an denen man sitzen kann um zu arbeiten und zu essen. Und so werden schon die kleinsten Kinder in der westlichen Welt schnell zum Sitzen auf Stühlen erzogen. Kleine Kinder durchleben instinktiv die natürlichen Bewegungsstadien: Vom ersten Rumrollen über das Krabbeln zu den ersten Gehversuchen. Sind diese Fähigkeiten erlernt und das Gleichgewicht geschult, setzen sie sich eigentlich irgendwann zum Spielen in die tiefe Hocke. Es sei denn, wir erziehen direkt dagegen an. Bei westlichen 4-jährigen sieht man diese Haltung nur noch sehr selten, denn wir stecken unsere Kinder, sobald sie ihren Oberkörper und Kopf stabil halten können, in Kindersitze, damit die Kleinen auch schon mit uns am Tisch sitzen können. Doch die menschliche Anatomie ist nicht für diese Haltung geschaffen. Schon gar nicht andauernd, acht Stunden am Tag und über Jahre. Im Sitzen wird praktisch die gesamte Stütz-Muskulatur außer Kraft gesetzt. Unser Becken und Rücken kollabieren und wir hängen mit rundem Rücken nach vorne und mit vorgeschobenem Becken nach hinten gelehnt.

sittingLanges Sitzen schwächt unser Bewegungszentrum daher auf eindrucksvolle Weise. Vor allem werden die Bänder, Muskeln und Faszien im Hüftbereich, insbesondere die Hüftbeuger, verkürzt. Das Becken zieht immer mehr nach vorne und bringt weitere Folgen in Rücken, Beinen und Nacken mit sich, die zu Haltungsschäden und Schiefstellungen führen, die den gesamten Bewegungsapparat aus der Balance bringen. Es folgen Fußfehlbelastungen (Charlie-Chaplin-Gang), Rundrücken, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Beckenschiefstand und Probleme in der Wirbelsäule, im Nacken und der Hüfte. Sitzen beeinträchtigt uns also auch im Stehen und Gehen. Viele junge Menschen bekommen Haltungsschäden schon durch das Sitzen in ihrer Schulausbildung und sind nicht mehr in der Lage beschwerdefrei zu stehen. Langes Sitzen ist sogar für sportlich aktive ein Risikofaktor, die außer ihrer Joggingrunde den ganzen Tag sitzen. Auch die meisten Ertüchtigungen im Fitnessstudio können den Folgen nicht entgegenwirken, denn entweder geht es nach dem Büro direkt wieder in sitzender Position auf’s Rad oder man setzt sich an die Trainings-Geräte im Studio.

Bushman hunters in Kalahari desert, BotswanaEine natürliche tiefe Hocke hingegen mag den meisten Erwachsenen unbequem, anstrengend und daher nicht sinnvoll erscheinen. Aber sieht es bei Kindern und Menschen, die lebenslang diese Position nicht verlernt haben, auch so unentspannt aus? Diese Menschen können stundenlang in dieser Haltung verharren und stehen danach auf, ohne sich die Hand schmerzverzerrt auf den Rücken zu pressen. Sie nutzen, ohne darüber nachzudenken, eine urmenschliche Fähigkeit und kennen so etwas wie Rückenschmerzen gar nicht. In der westlichen Welt ist “Rücken” als Krankheitsbild allerdings so normal, dass wir gar nicht mehr hinterfragen, ob es dafür eine Ursache gibt. Ursache… ein wunderbares Wort. Denn in ihm steckt oft die Lösung. Die Ursachen sind häufig die Nichtbeachtung unseres Ursprungs.

 

sitting_tvWer den ganzen Tag im Auto oder am Schreibtisch sitzt, auch wenn er einer dieser aktiven Couch-Potatoes ist, verändert eine Physiologie und riskiert damit noch viel mehr als Haltungsschäden. Denn da der Großteil unserer Muskulatur nicht aktiv ,wird der Zuckerstoffwechsel komplett heruntergefahren. In unserem Blut findet sich mehr Fett, das ein erhöhtes Risiko für die Plaquebildung (Ablagerung an den Aterienwänden) darstellt. Wir neigen zu Übergewicht und im Endeffekt fördern wir alle bekannten Volkskrankheiten.

 

Ein weiteres Risiko stellen die verkürzten und geschwächten Muskeln im Hüft- und Rückenbereich auch für schwerere Verletzungen. Wird die geschwächte und verhärtetete Muskulatur bei ungewohnten Bewegungsmustern plötzlich gefordert, belasten die wirkenden Kräfte andere Körperteile. Typisch dafür ist auch der klassische Hexenschuss, der sogar schon bei einer leichten bückenden Bewegung auftritt.

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Fazit: 

Der Mensch ist definitiv nicht geboren um lange zu sitzen. Die Erfindung von Stühlen schadet uns mehr denn je, denn wir sitzen immer mehr und immer länger. Selbst in Situationen die wunderbar im Stehen verbracht werden könnten, wie beispielsweise beim warten an der Bushaltestelle, nutzen wir zu gerne die Möglichkeit uns kurz auszuruhen. Dabei ist Stehen, neben dem Hocken, die beste Alternative zum Sitzen. Unsere Muskeln sind aktiv und unsere Bänder werden beansprucht. Wir sollten also Stehen wo wir nur können und unseren Stuhl verlassen, um uns zu bewegen.

 

 

 

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