Mythos Cholesterin

On 30. Juli 2014


Im Zusammenhang mit Cholesterin gibt es 3 verbreitete Irrtümer, die sich hartnäckig halten:

Wenn ich viel Cholesterin aufnehme, steigt der Cholesterin-Wert im Blut.
Cholesterin ist schlecht und ich sollte möglichst wenig Cholesterin im Körper haben.
Fett erhöht den Wert des schlechten Cholesterin im Blut.

 

eier_cholesterin

Cholesterin wurde lange Zeit als “der Teufel” in unserer Nahrung vermarktet, den es zu bekämpfen galt. Am besten mit Cholesterin senkenden Medikamenten oder sogar mit einer Margarine, die dies vollbringt. Die Angst wurde dann noch durch die Einteilung der Cholesterin-Werte im Blut in schlechtes und gutes Cholesterin geschürt. Diese vereinfachte Einteilung wird der Realität nicht gerecht und begünstigt den Mythos, dass Nahrungscholesterin nicht gut für unsere Gesundheit ist. Gleichzeitig wurde fettreiche Nahrung als Ursache für arterielle Erkrankungen deklariert und ist bis heute kaum aus unseren Köpfen zu bekommen. Zwischen dem Verzehr von Cholesterin und einem Anstieg des Cholesteringehalts im Blut besteht kein direkter Zusammenhang. Genauso wenig wie Kalkablagerungen aus dem Kalk in unserer Nahrung entstehen.


Cholesterin ist wichtig für unseren Organismus

Bemerkenswerterweise ist Cholesterin für uns von hoher Wichtigkeit. 20 % unseres Gehirns besteht aus Cholesterin und 25 % des im gesamten Körper vorkommenden Cholesterins werden für die Gehirnfunktion und dessen Entwicklung benötigt. Es regt sogar das Wachstum von neuen Zellen an. Cholesterin ist ein Teil der Zellmembran. Synapsen können nur mit Hilfe von Cholesterin wachsen und Nervenzellen brauchen es zur Informationsübertragung. Cholesterin wirkt vor allem im Gehirn stark antioxidativ und bewahrt uns vor Schäden durch freie Radikale. Außerdem ist Cholesterin eine direkte Vorstufe von Vitamin D und für wichtige Hormone wie Östrogen und die Androgene. Die Salze der Gallenflüssigkeit bestehen auch aus diesem Stoff. Wenig Cholesterin im Körper kann daher die Fettverdauung beeinträchtigen. Cholesterin ist für den menschlichen Organismus von so hoher Bedeutung, dass er diese Substanz auch selbst herstellen kann. 75-80 % des sich im Blut befindlichen Cholesterins stammen aus der körpereigenen Produktion, die bei zwischen 1-2 Gramm am Tag liegt. Das ist ein Vielfaches von dem, was wir mit der Nahrung normalerweise zu uns nehmen. Cholesterin herzustellen ist für die Leber allerdings ein komplexer Vorgang, also harte Arbeit. Daher nehmen wir es gerne von außen auf. Mit steigendem Alter steigt der Cholesteringehalt im Körper natürlicherweise an und bietet damit einen erhöhten Schutz vor freien Radikalen, die in einem älteren Körper zunehmend erzeugt werden.

 

Wie entstehen die Ablagerungen in den Arterien wirklich?

Wir unterscheiden allgemein zwischen dem schlechten LDL (low density lipoprotein) und  dem guten HDL (high density lipoprotein). Es handelt sich hierbei aber nicht wie meist angenommen um zwei Cholesterinarten. Es handelt sich (wie der Name auch verrät) um zwei Lipoproteine, die nur eine Art Transportmittel für das Cholesterin sind. Das ist nämlich nicht wasserlöslich und wird in der Leber auf die Lipoproteine geladen und so können sie mit diesem Taxi durch den gesamten Körper transportiert werden. Es gibt also kein LDL- oder HDL-Cholesterin im Blut, sondern HDL- und LDL-Partikel. Es  geht eigentlich um diese Moleküle und nicht um das Cholesterin selbst. HDL ist für den Abtransport des Cholesterins aus den Geweben des Körpers zuständig, es ist quasi die Müllabfuhr. LDL  bringt “frisches” Cholesterin von der Leber zu jedem Ort, an dem es benötigt wird. LDL-Partikel kommen in kleiner und großer Form vor, wobei auch die großen immer noch tausendfach kleiner sind als ein rotes Blutkörperchen. Nun sind vor allem diese kleinen LDL-Partikel gefährlich, denn sie können sich sehr viel schneller und leichter an den Wänden der Arterien absetzen, zu Plaque-Ablagerungen führen und diese schließlich verstopfen. Die Größe spielt also die entscheidende Rolle. Für die Pharmaindustrie war es allerdings viel leichter von einem hohen Cholesterin-Spiegel zu sprechen, den man mit Hilfe von Medikamenten senken muss. Die Auswirkungen dieser Cholesterin-Senker ist heute noch nicht wirklich bekannt. Mit dem Wissen um die Bedeutung von Cholesterin für unseren Organismus liegt ein erhebliches Einwirken auf den Stoffhaushalt sehr nahe.
Das LDL hat seinen Ursprung in einer Vorstufe, dem VLDL (very low density lipoprotein). Dieses VLDL wird in der Leber hergestellt, gelangt von dort aus ins Blut und ist vollgepackt mit Fett (Triglyceriden), was für viele Stoffwechselprozesse im Körper benötigt wird. Ein hohes Aufkommen von VLDL wird in den Blutwerten in Form des Triglycerid-Wertes (Blutfett) dargestellt. Durch die Abgabe seiner Trigylceride wird das VLDL nun nach und nach zum (großen) LDL-Partikel. Die bemerkenswerte Eigenschaft das VLDL ist, dass es ein wahrer Tausch-Freund ist. Es tauscht nämlich sehr gerne mit den LDL’s und HDL’s, die ihm im Blut entgegen kommen, eines seiner Triglyceride gegen das Cholesterin der beiden. Düst das LDL nun mit dem Triglycerin anstatt dem Cholesterin durch die Blutbahn, wird es aber auch dies recht schnell wieder verlieren, denn die sehr aktive Lipase, ein fettspaltendes Enzym, löst dies wieder ab. Somit ist das LDL weder mit Cholesterin noch mit Fett beladen, was ihre Größe entscheidend vermindert. So entstehen die kleinen LDL-Partikel. plaque-bildung

Große Partikel werden im Durchschnitt nach 3 Tagen im Blutkreislauf von der Leber aufgenommen. Da die Rezeptoren der Leber die kleinen LDL-Partikel hingegen nur schlecht erkennt, bleiben diese ca. 5 Tage im Blut und können somit mehr Schaden anrichten. Kleine LDL’s oxidieren, also altern auch 25 % stärker als Große, was zur stärkeren Plaquebildung führt.
Außerdem glykieren kleine LDL’s viel schneller als große. Das bedeutet, dass sich der Zucker im Blut unkontrolliert an diese Partikel haftet, was weitere Reaktionen hervorruft. Vereinfacht könnte man es auch eine Art verkleben nennen. Glykierte LDL’s sind ebenfalls vermehrt an der Plaquebildung beteiligt.

 

Was beeinflusst nun die Produktion von VLDL?

Unsere Nahrung hat großen Einfluss auf die Produktionsgeschwindigkeit der VLDL-Partikel und deren Triglycerin-Gehalt. Lange Zeit ist man davon ausgegangen, dass selbstverständlich die Fettzufuhr auch zur Erhöhung des Fettgehalts, also den Triglyceriden im Blut führt. Nun weiß man aber, dass die körpereigene Produktion der Triglyceride entsprechend zurückgefahren wird, sobald der Fettspiegel im Blut steigt. Der Körper produziert selbst weitaus mehr Triglyceride als wir mit der Nahrung aufnehmen, also hat auch die Aufnahme von reichlich Fett wenig Einfluss auf den Glycerinspiegel im Blut.

Die Erkenntnis, dass die Leber Zucker und Tryglyceride umwandelt ist relativ neu. Ausgerechnet diese Synthese wir durch die Ausschüttung von Insulin hervorgerufen.
Anders gesagt: Insulin setzt den Prozess in Gang, bei dem Kohlenhydrate in Fett umgewandelt werden. Die Leber verpackt dieses Fett in die VLDL’s und schickt sie in den Blutkreislauf.

Und was lässt den Insulinspiegel wie kein anderes Nahrungsmittel in die Höhe schnellen? Kohlenhydrate. Dieser kausale Zusammenhang ist brisant, denn er erklärt, warum Patienten mit hohen Triglyceriden und vielen kleinen LDL’s im Blut durch ihre Ernährungsform kaum etwas verändern konnten. Denn sie haben bisher das Fett und das Cholesterin reduziert und weiterhin gleich viel oder sogar noch mehr Kohlenhydrate gegessen. Die Cholesterin und Fettwerte mussten mit Medikamenten gesenkt werden.

 

Fazit

Es sind nicht das Fett und nicht das Cholesterin, sondern die Kohlenhydrate, die über Umwege für die Bildung von Plaque-Ablagerungen an den Wänden der Arterien verantwortlich sind. In dessen Folge kann es zu Arteriosklerose, einem Herzinfarkt, Herzschwäche und einem Schlaganfall kommen.  Auch eine Fettleber kann aus der regelmäßig hohen Kohlenhydrat-Aufnahme resultieren. So wird das bisher für gesund gehaltene Vollkornbrot und das Müsli in ein neues Licht geworfen. Wer allerdings seine Kohlenhydratzufuhr auf ein Minimum reduziert und sich zusätzlich regelmäßig schweißtreibend bewegt, um die Insulinempfindlichkeit zu steigern, läuft wenig Gefahr. Eine Ernährungsumstellung hin zu wenig Kohlenhydraten bringt zudem noch viele andere gesundheitliche Vorteile mit sich.  

 

weiterführende Informationen:

http://www.originfit.de/warum-schadet-uns-gluten

 http://www.originfit.de/antinaehrstoffe-lektine

 http://www.originfit.de/sauer-macht-swach

 

______

Quellen:

David Perlmutter und Kristin Loberg von Little: Grain Brain: The Surprising Truth about Wheat, Carbs, and Sugar (2013)

Dr. med. William Davis, Imke Brodersen: Weizenwampe – Warum Weizen dick und krank (2013)

http://www.cambridgemedscience.org/reports/CholMythCamb.pdf

http://de.wikipedia.org/wiki/Androgene

http://de.wikipedia.org/wiki/Cholesterin

http://de.wikipedia.org/wiki/Glykation

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>