sauer macht schwach – Cola, Getreide & Fleisch

On 30. Juni 2014

Der pH-Wert zeigt an, wie sauer oder basisch eine Lösung ist.
Auch beim Menschen lässt sich dieser Wert in Bezug auf Blut und Zellflüssigkeit messen. Er liegt normalerweise im Bereich zwischen 7,35 bis 7,45. Ein Absinken des pH-Wertes wird als Azidose, der Anstieg als Alkalose bezeichnet. Schon Abweichungen von nur 0,5 können schwere Folgen haben und sogar zum Tod führen.

Säuren senken den pH-Wert des Körpers, Basen lassen ihn ansteigen. Bei alten Jäger- und Sammler-Kulturen, die sich überwiegend aus Gemüse, Fleisch und Obst ernährten, fand man einen leicht basischen Blut-pH-Wert. Proteinreiche Nahrung, also alles tierischen Ursprungs, wirkt sauer auf unseren Organismus. Es ist davon auszugehen, dass in diesen ursprünglich lebenden Kulturen der notwendige Ausgleich der Übersäuerung durch Fleisch mit viel alkalischem Gemüse und Obst stattfand. Nüsse wirken recht neutral auf den pH-Wert.
Die von uns heute durchschnittlich konsumierte Menge an tierischen Produkten übersteigt die unserer ursprünglichen Vorfahren um ein Vielfaches und wird von den Wenigsten durch reichlich pflanzliche Nahrung ausgeglichen.
Durch unser heutiges Essverhalten sind wir schon oft durch die Mengen an tierischen Proteinen übersäuert. Kommt dann noch unser Grundnahrungsmittel Getreide in Form von Brötchen, Nudeln oder Kuchen hinzu, fällt der pH-Wert noch weiter ab. In Industrieländern geht man von einem Säureüberschuss von 50–100 mmol/Tag aus. Größter Säurelieferant neben Fleisch, Käse, Eiern und Getreide sind süße Limonaden. Zucker alleine wirkt schon sauer. Colas enthalten zudem noch Phosphorsäure die den Körper zusätzlich belasten.

Das Problem beim pH-Wert ist der permanente Zustand im sauren Bereich, die sogenannte latente Azidose. Das Blut besitzt eine Pufferfähigkeit um geringe, kurzfristige Schwankungen abfedern zu können. Ist diese Pufferkapazität erschöpft, muss der Körper auf andere Speicher zurückgreifen, um die Übersäuerung auszugleichen. Folgen sind ein Ablösen von Mineralstoffen, insbesondere Kalzium, aus dem Knochenmaterial. Die Osteoklasten (verantwortliche Zellen für den Knochenabbau) werden aktiviert, die Osteoblasten (verantwortliche Zellen für den Knochenaufbau) gehemmt.

Zusätzlich erhöht eine latente Azidose den Abbau der Muskulatur und begünstigt die Bildung von Nierensteinen, bedingt durch eine Verminderung der Citratausscheidung.

Ein Einfluss auf das Bindegewebe ist ebenfalls sehr wahrscheinlich. Eine Besserung von Rückenschmerzen durch Zugabe basischer Salze konnte bereits nachgewiesen werden.
Eine permanente Übersäuerung, die nicht durch ausreichend Gemüse und Obst neutralisiert wird, geht also vor allem zu Lasten unserer Hauptspeicher für Kalzium, genauer gesagt Kalziumkarbonat und Kalziumphosphat: den Knochen.

Je älter wir werden, desto mehr nimmt die Funktion der Nieren ab und die Übersäuerung nimmt zu. Doch der Prozess beginnt schon vor Beginn des 20. Lebensjahres und nimmt bei gleichbleibender Ernährung permanent zu. Bei unserer derzeitigen Ernährungsform beginnt der Knochenabbau laut einer kanadischen Studie sogar schon mit 25.

Ist der Kalziumspeicher in den Knochen verbraucht, kommt es zu Osteopenie (leichte Entmineralisierung) und Osteoporose (starke Entmineralisierung), Gebrechlichkeit und Knochenbrüchen. Jugendliche Mädchen, die überdurchschnittlich viel Cola konsumieren, leiden fünf mal häufiger an Knochenbrüchen.

Viele unserer heute oft üblichen Mahlzeiten, z.B. bestehend aus einem Burger (Brötchen + Fleisch) mit einer Cola (Phosphorsäure + Zucker) ist für den pH-Wert des Blutes entsprechend  belastend.  Eine Pizza mit Weizenteig, Schinken und Käse enthält auch nur säurebildende Stoffe.

Eine – zugegeben stark vereinfachte – Formel könnte also lauten:
Je mehr Gemüse und Obst du isst, desto stärker bleiben deine Knochen, dein Bindegewebe und deine Muskulatur.

 

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Quellen:

http://www.nutritionj.com/content/8/1/23#B7

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16736442

http://de.wikipedia.org/wiki/Säure-Basen-Haushalt

Dr. med. William Davis, Imke Brodersen – Weizenwampe: Warum Weizen dick und krank macht (2013)

Prof. Dr. rer. nat. Jürgen Vormann: Die latente Azidose – Bedeutung für chronische Krankheitsprozesse und Beeinflussbarkeit durch pflanzliche Lebensmittel, 2004

Sellmeyer D.E., Stone K.L., Sebastian A., Cummings S.R.: A high ratio of dietary animal to vegetable protein increases the rate of bone loss and the risk of fracture in postmenopausal wo- men, Am J Clin Nutr 2001; 73: 118–122.

 

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