Vegane Ernährung – pro & contra

On 28. Juli 2014

vegane ErnährungDer vegane Trend ist mittlerweile allgegenwärtig. Selbst in den großen Supermarktketten findet man heute vegane Bereiche oder zumindest ein veganes Sortiment an Fertig- oder Fleischersatzprodukten. Ich selbst lebte 2 1/2 Jahre aus ethischen, moralischen und ökologischen Gründen streng vegan. Fest davon überzeugt, dass der vegane Speiseplan auch der gesündeste ist, musste ich diese Ansicht aber nun leider für mich revidieren.
Hier möchte ich euch nun mal die Pro’s und Contra’s einer veganen Ernährung aufzählen:


PRO

viele Mikronährstoffe

Eine vegane Ernährung hat den großen Vorteil, dass insgesamt viel mehr gesundes Gemüse und Früchte verzehrt werden und damit die Aufnahme an wichtigen Vitaminen, Antioxidantien, Mineralien, sekundären Pflanzenstoffen und Ballaststoffen gewährleistet ist. Eine auf Gemüse (außer Getreide & Hülsenfrüchten) beruhende Ernährung fördert die Prävention von Zellschädigungen, Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs und wirkt sich positiv auf unser Immunsystem aus, was durch epidemiologische Studien bewiesen wurde.  Wie so vieles hat auch der sehr positive Einfluss von Gemüse und Früchten ihren Ursprung, denn es ist sehr wahrscheinlich, dass wir uns auch schon in der Steinzeit überwiegend von pflanzlichen Nahrungsmitteln ernährt haben. Die Beschaffung von Fleisch war aufwendig und riskant. Eigentlich weiß es ja auch jeder: Obst und Gemüse sind gesund, daran gibt es nichts zu rütteln. Es existieren keinerlei Hinweise, die das Gegenteil vermuten ließen. Also, warum nicht die gesündesten Lebensmittel, die uns zur Verfügung stehen zur Basis unserer Ernährung machen?


ökologischer Irrsinn
 
Die Aufzucht von Tieren zur Produktion tierischer Produkte als Nahrung belastet zunehmend unsere Umwelt und führt zu Landraub, Waldrodungen von Regenwald und Bodenausbeutungen vor allem in den ärmsten Ländern dieser Erde. Grund dafür ist der enorme Bedarf an Futtermitteln, der hauptsächlich durch Soja, Getreide und Mais gedeckt wird. Auch unsere hiesigen Böden sind aufgrund von Monokulturen bereits ausgelaugt, das Grundwasser durch chemische Düngemittel und den Kot der Tiere belastet und unsere Flora und Fauna besteht oft nur noch aus den großen Flächen der Mais- und Kornfelder. Trotzdem importieren wir den überwiegenden Teil der Futtermittel aus ärmeren Ländern, die mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben und zudem ihrer Ressourcen beraubt werden. Treibhausgase entstehen in großer Menge durch den Anbau und den Transport der Futtermittel, aber auch durch den Methan-Ausstoß der Tiere selbst. Für ein 1kg Rindfleisch benötigt man bis zu 16 kg Getreide und es entstehen bis zu 13 kg Treibhausgase (Tofu: 1 kg Treibhausgas). Für die Herstellung von einer Kalorie Fleisch werden 7 Kalorien pflanzlichen Ursprungs benötigt.  Die globale Viehhaltung ist insgesamt für 18% aller Treibhausgase verantwortlich. Ein Verzicht auf tierische Produkte setzt ein Konsum-Signal, lässt die Nachfrage langfristig sinken und könnte somit eine Anpassung des Marktes bewirken und außerdem diesen Irrsinn vielleicht reduzieren.

 

ethischer Aspekt
Die moderne Massentierhaltung ist meiner Meinung nach eine der größten Sünden der Menschheit. Dem perversen Ideenreichtum sind bei der Herstellung von tierischen Erzeugnissen zur Erzielung von immer mehr Profit kaum Grenzen gesetzt. Wir alle kennen die Bilder der leidenden Tiere, überzüchteten Milchkühe, der Fließbandtötungen und den Vernichtungsanlagen für männliche Küken. Der Mensch zeigt hier, was er unter der selbsternannten Krone der Schöpfung versteht. Zum Glück funktionieren unsere Schutzmechanismen vor negativen Emotionen so gut, dass wir diese Bilder beim nächsten Besuch im Supermarkt schon wieder verdrängt haben und fleißig weiter konsumieren. Das Stück Fleisch und der Yoghurt im Kühlregal haben für uns nichts mehr mit dem Leid der Tiere zu tun und stellt für uns nur noch ein ansprechendes Konsumgut dar. Die Kuh auf der Milchpackung sieht ja auch meist sehr glücklich aus.

 

CONTRA

wenig Cholesterin
Der Irrglaube, das Nahrungscholesterin unserem Körper schadet hält sich hartnäckig, ist heute aber nicht mehr aktuell. Die Höhe des Cholesteringehalts im Blut wird nicht durch den Verzehr von Cholesterin verursacht. Vegane Verbände behaupten nach wie vor das Gegenteil und halten an dieser Sichtweise, trotz eindeutiger Belege, fest. Tatsächlich ist Cholesterin Bestandteil unserer Zellmembran. Unsere Nervenzellen benötigen es für den Informationsfluss. Es wirkt als Vorstufe für wichtige Hormone und Vitamin D, vor allem im Gehirn antioxidativ und wird für die Hirnfunktionen benötigt. Da es so wichtig ist, kann unser Körper Cholesterin selbst herstellen. Dies ist allerdings verhältnismäßig umständlich, weswegen er es lieber mit der Nahrung aufnimmt. Entgegen der vereinfachten Darstellung, die wir vom Arzt bekommen, ist es nicht nur die Unterscheidung in LDL (“schlechtes Cholesterin”) und HDL (“gutes Cholesterin”), vielmehr ist die Größe der LDL’s von entscheidender Bedeutung. Denn es gibt besonders kleine LDL-Partikel die sich in den Arterien verfangen, hängen bleiben und dann zu Plugs (Verstopfungen) in den Arterien führen können. Der größte Faktor, der zur Erhöhung dieser kleinen Teile führt, ist nicht Fett, sondern sind die Kohlenhydrate (weitere Info’s: Mythos Cholesterin).

 

das falsche Fett
Ja, Fett ist gesund. Allerdings muss hier fein unterschieden werden. Die vorherrschende Meinung ist nach wie vor, dass gesättigtes tierisches Fett schlecht ist (z.B. den Cholesterinspiegel erhöht) und ungesättigte oder sogar mehrfachungesättigte Fette gut seien. Gut und schlecht ist ohnehin eine zu einfache Deklaration für Lebensmittel, aber mit dieser Einordnung trifft es eher die falschen. Gerade gesättigte Fettsäuren sind wichtig für uns und bleiben beim Erhitzen stabil. Ungesättigte pflanzliche Fette sind instabil und können auch schon bei der Lagerung im Supermarkt oxidieren, also ranzig werden. Außerdem enthalten die meisten pflanzlichen Öle nur Omega-6-Fettsäuren. Ein Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren zu Gunsten der Omega-6-Fettsäuren in unserer Nahrung wirkt entzündungsfördernd, kann Übergewicht begünstigen und eine Insulinresistenz verstärken. Da viele Veganer kaum Omega-3-Fettsäuren zu sich nehmen, denn diese tauchen vor allem in tierischen Produkten auf, zudem noch viele pflanzliche Öle aufnehmen, setzen sie sich diesen Gefahren aus, solange sie nicht sorgfältig darauf achten.  Ausnahme ist Olivenöl, das aus recht beständigen, einfach-ungesättigten Fettsäuren besteht sowie das aus rein gesättigtem Fett bestehende Kokosöl.


kein Vitamin B12

Fast jedem Veganer ist bekannt, dass er auf dieses Vitamin b12angewiesen ist und er es bei einer sehr strengen Auslegung in Form von Pillen oder durch Zusätzen in z.B. Milchersatzprodukten oder in Zahncreme, künstlich aufnehmen sollte. Denn dieses Vitamin kommt ausschließlich in Produkten tierischen Ursprungs vor. Es gibt zwar Ideen, dass dieses Vitamin auch in den Chlorella-Algen und in ganz geringen Mengen auch in fermentiertem Sauerkraut vorkommt, es ist aber nicht gesichert, dass dies vom menschlichen Organismus auch verwertet werden kann. Will man auf Nummer sicher gehen, bleiben nur Nahrungsergänzungsmittel. Jeder der vegan lebt, muss für sich entscheiden, ob er das möchte. Für mich kommen künstliche Nahrungsmittel nicht mehr in Frage und ich schaue, dass ich dieses Vitamin über Lebensmittel natürlichen Ursprungs bekomme. Sicher, die Versorgung über künstliche Stoffe funktioniert und ermöglicht es überhaupt vegan zu leben, aber nicht alles was geht ist auch wirklich gut für mich.


viel Getreide

Sobald man tierische Produkte in Gänze aus seinem Speiseplan streicht, bekommen andere Nahrungsmittel einen höheren Stellenwert. Es empfiehlt sich ohnehin schon nur wenig oder besser gar kein Getreide zu verzehren, doch gerade Veganer und Vegetarier greifen auf zu viel Getreide zurück. Sei es in Form von Nudeln, Brot, Müsli, Couscous, Bulgur etc. oder als Fleischersatzprodukte, wie vegane Würstchen, diverse Bratlinge und Seitan. Den meisten Fertigprodukten, die in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erlebten, ist meistens Weizeneiweiß zugesetzt oder sie bestehen im Fall von Seitan komplett aus diesem Eiweiß. Weizeneiweiß ist nichts anderes als Gluten und warum wir dies vermeiden sollten könnt Ihr gerne hier nachlesen. Eine vegane Ernährung ohne Getreide ist in der Tat sehr schwierig, was den Zwiespalt für und gegen eine rein vegane Ernährungsform stark erhöht.


Kohlenhydrate

Getreide, Müsli, Zucker (auch Rohrohrzucker), alle pflanzlichen Süßungsmittel (mit Ausnahme von Stevia), Limonaden, Säfte, all dies ist in der veganen Küche “erlaubt”. Damit ernähren sich viele Veganer und Vegetarier nicht schlechter als die meisten in unserer Bevölkerung. In Bezug auf die Kohlenhydratmengen aber eben auch nicht sehr viel gesünder. Hinzu kommen sogar noch mehr Kohlenhydrate durch den vermehrten Genuss von süßem Obst. Immerhin kann ein andauernd hoher Konsum zu Insulinintolleranz, Diabetes, Übergewicht, Akne, Bluthochdruck, koronaren Herzkrankheiten, Depressionen, Demenz und Alzheimer führen. So gesehen ist eine vegane Ernährung nicht zwingend gesünder als eine Omnivore (Mischkost).

 

viele Zusatzstoffe
Wie bereits erwähnt, erfreuen sich vegane Ersatzprodukte immer größerer Beliebtheit. Neben den Getreidebestandteilen sind in vielen Produkten aber noch mehr Zusatzstoffe. Veganer Käse beispielsweise, der meist auf Kokosöl basiert, hat oft noch Säureregulatoren, modifizierte Stärken, Aromen, andere weniger gesunde pflanzliche Fette, Glycerin oder Xanten als Bestandteile. Die unangefochtene Königin der ungesunden Inhaltsstoffe ist jedoch die Magarine. Was uns einst als gesundheitsfördernd verkauft wurde, besteht zwar zum Großteil aus Wasser, aber das muss ja erstmal in eine streichbare Form gebracht werden. Modifizierte Stärke, Emulgatoren, Lecithine, Konservierungsstoffe wie Kaliumsorbat, krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, die gesundheitlich sehr bedenklichen Transfette und gehärtete oder teilgehärtete Fette, all das wird benötigt um Margarine herzustellen. Dieser Cocktail aus Zusatzstoffen ist keineswegs natürlich und sollte bei keinem Menschen mehr im Kühlschrank stehen.

 

Proteinersatz durch Soja
Gerade Soja ist nach wie vor DIE Alternative zu tierischen Produkten und eine beliebte Eiweißquelle. Wir kennen sie vor allem als Tofu und Soja-Milch. Aber auch in Yoghurt, Sahne, Wurst, Aufschnitt oder in Fertigprodukten ist die Hülsenfrucht zu finden. Hülsenfrucht – das ist einer der zwei springenden Punkte. Hülsenfrüchte enthalten wie auch Getreide viele Lektine, also Antinährstoffe, die toxisch wirken können und Phytinsäure, die die Aufnahme von bestimmten Nährstoffen hemmt. Außerdem enhält Soja die, im Vergleich zu anderen Pflanzen, größte Menge an Phytoöstrogen, einem sekundären Pflanzenstoff, der dem menschlichen Östrogen strukturell ähnelt und sich an die  Östrogenrezeptoren binden kann. Über dessen Wirkung wird nach wie vor stark gestritten und man ist sich wirklich nicht einig. Keine Ernährungsform, auch nicht die Vegane oder Vegetarische, sollte daher auf Soja basieren. Ab und zu als eine Ergänzung ist Soja aber sehr wahrscheinlich bedenkenlos verzehrbar, insbesondere wenn es sich um fermentierte Varianten handelt.

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außerdem Interessant

Grundbausteine von Proteinen sind die Aminosäuren. Wir brauchen für unseren Stoffwechsel im Prinzip alle der vorkommenden Aminosäuren. Einige sind für uns essentiell, wir müssen sie also mit der Nahrung aufnehmen. Pflanzen stellen immer nur einen Teil der Aminosäuren bereit und decken nicht das gesamte Spektrum ab. Tierisches Eiweiß hingegen enthält das gesamte Aminosäurenprofil. Wer sich also rein pflanzlich ernähren will, sollte darauf achten, viele verschiedene Gemüsesorten zu kombinieren um möglichst mit allen Aminosäuren versorgt zu sein.


Meine Idee

Schon als strenger Veganer sah ich eine vegane Lebensweise nicht als die Lösung aller Probleme an und hatte nie den Anspruch die Welt zu bekehren und alle zu Veganern zu machen. Ich wollte es vorleben und zeigen, dass es geht, um vielleicht ein generelles Umdenken anzustoßen. Meine Idee einer “idealen Welt” war es schon damals, dass die Menschen ihren Konsum von Fleisch und allen anderen tierischen Produkten auf ein Minimum reduzieren und sie wieder lernen, Tiere als Nahrungslieferant Wert zu schätzen. Dann könnte die Massentierhaltung drastisch verringert, vielleicht ganz überflüssig werden und  Tiere wieder artgerecht leben. Auch das ökologische Gleichgewicht wäre wieder hergestellt.


Fazit

Leider – und das sage ich bewusst – ist eine rein vegane Ernährung zwar in Bezug auf unsere Umwelt und aus Respekt anderer Lebewesen gegenüber wirklich sinnvoll und erstrebenswert, doch deckt sie nicht den Bedarf, den ich als Teil der menschlichen Spezies evolutionär bedingt an eine gesunde Nahrungsaufnahme habe. Es tut sich also ein Zwiespalt zwischen einer für meine Umwelt gesunden Lebensweise und einer für mich als Individuum auf. Diesem Konflikt kann ich nur mit einem Kompromiss gerecht werden. Da auch ein übermäßiger Fleischkosum bewiesenermaßen nicht gesund ist, erweitere ich meine ansonsten auf Gemüse (kein Getreide, wenig Hülsenfrüchte) basierende Ernährung mit gelegentlichem Konsum von Eiern aus artgerechter und ethisch vertretbarer Haltung und fettem, wild gefangenem kaltwasser Fisch. Milch und Milchprodukte kommen nur sehr selten und dann auch nur in Form von Rohmilch (Warum? Hier ist der Artikel) dazu.

 

Weiterführende Informationen:

http://www.originfit.de/warum-schadet-uns-gluten

http://www.originfit.de/unser-taegliches-brot

http://www.originfit.de/mythos-cholesterin

 

 

One Response to “Vegane Ernährung – pro & contra”

  • Hi Emanuel,

    leider führen Deine Links fast alle ins Nichts (404 Page Not Found). Willst Du mal checken?

    Danke für den Interessanten Artikel. Mich würde noch interessieren, welche Fische “wild gefangene kaltwasser Fische” sind. Danke!!

    Übrigens hab ich mal gehört, dass die Kühe aus Massentierhaltung ihr B12 auch nur über Pillen bekommen, weil sie es nicht mehr selbst bilden.

    LG
    Julia

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