Warum uns Joggen Schmerzen bereitet

On 9. September 2014
80% aller Jogger verletzen sich jedes Jahr.
jogger_läufer

Abebe Bikila, olympischer Rekord Sieger im Marathon 1960 (so, wie es für ihn natürlich war: barfuss)

Viele leiden unter den weit verbreiteten Symptomen wie Läufer-Knie, Achillessehnen-Entzündung, Plantar Fasciitis oder dem Schienbeinkantensyndrom (shin splints).
Verletzungen und Schmerzen scheinen bei Profis und auch Hobby-Joggern einfach dazu zu gehören und ganz normal zu sein. Ich selbst kenne keinen Jogger, der nicht schon mal von Schmerzen in Knien, in den Füßen, in den Schienbeinen oder in der Hüfte erzählt hat. Feierabend-Jogger und Hobby-Sportler trifft es dabei interessanterweise am meisten.

Der menschliche Körper ist designed zum Laufen und Gehen (mehr Infos im Artikel: Warum wir zum Laufen geboren sind). Alles an und in uns ist darauf ausgelegt mittelweite und lange Strecken laufen zu können. Wenn dies also eine so natürliche Bewegung ist, warum verletzen wir uns dann dabei?
Verletzen sich Hunde, wenn sie einen Schlitten kilometerweit im Sprint ziehen? Leiden Kangaroos unter Zerrungen vom Springen durch die Steppe? Haben 80% der Haie Verletzungen durch Schwimmen? Die Antwort ist klar: nein. Und warum nicht? Auch diese Antwort ist einfach:
Weil sie sich so bewegen, wie es die Funktionalität ihres Körpers vorgibt. Sie denken nicht darüber nach. Wild lebende Tiere unterliegen, bezogen auf ihre Fortbewegungart keinem weiteren Einfluss, wohingegen wir von der Sportindustrie beeinflusst werden. Sie verspricht uns immer mehr Optimierung durch den Kauf ihrer immer neuer Produkte .
Ein Pferd beispielsweise verfügt über drei natürliche Gangarten: Schritt, Trab und Galopp. Diese sind der Spezies Pferd eigen. Man könnte nun auf die Idee kommen, es dem Pferd einfacher zu machen und ihm gepolsterte Schuhe anziehen, denn es hat ja nur diese harten Hufe mit denen es laufen muss. Sehr wahrscheinlich würde sich die Gangart des Pferdes verändern und unbeholfen aussehen. Muskeln, Sehnen und Skelett sind auf diese Bewegung nicht ausgelegt und das Pferd würde sich vermutlich in Folge dessen schnell verletzen.
Genau das passiert bei Menschen, die sich Joggingschuhe anziehen und loslaufen. Es ist sogar noch schlimmer als bei einem Pferd. Denn dies hat zumindest im bisherigen Leben seinen Bewegungsapparat trainieren können. Für fast alle Sportarten muss man eine Technik erlernen, um sie richtig ausführen zu können. Laufen, vielmehr Joggen meint jeder zu können. Das ist im Prinzip auch richtig, denn der Homo Sapiens ist der geborene Läufer. Unsere Spezies verfügt über die drei spezifischen Gangarten: Gehen, Laufen und Sprinten.

Für sie ist unsere gesamte Biomechanik im Laufe von Millionen Jahren evolutionär optimiert worden.
Die meisten Menschen in der westlichen Welt besitzen aber nicht mal mehr die Fähigkeiten richtig zu stehen und zu gehen, da ihre Füße und der Rest des Bewegungsapparats vom jahrelangen Schuhetragen und täglichem stundenlangem Sitzen zu deformiert sind.
Sie sind in dem Glauben, jeder Mensch verfüge über seinen eigenen individuellen Laufstil. Schaut man sich die Teilnehmer bei einem der beliebten Marathon-Läufe an, wird man, abgesehen von der kenianischen Spitzengruppe, bei 100 Läufern vermutlich 100 verschiedene Laufstile bewundern können. Oder sogar noch mehr, denn einige verändern ihre Gangart auch während eines Laufes.

Was sieht man aber bei der Pferdeherde? Einen Stil bei allen Tieren. Eine Art zu Traben, eine zu Galoppieren – egal ob Fohlen, Stute oder Hengst. Sie bewegen sich alle im gleichen Rhythmus, mit der gleichen Schrittlänge und der gleichen Haltung. So wie es ihre natürlich Physiologie vorgibt.

So wie jede Spezies auf diesem Planeten, hat auch der Mensch diese EINE Form sich fortzubewegen. Wir haben sie nur schon in frühen Kinderjahren direkt wieder verlernt und wissen nicht mehr um sie. Joggen entspricht keiner unserer natürlichen Gangarten. Es ist eine Dritte, künstlich erschaffene Sportart, die nur mit dem Hilfsmittel des Jogging-Schuhs möglich gemacht wird. Ende der sechziger Jahre brachte eine Firma namens Nike den ersten Jogging-Schuh mit Fersendämpfung auf den Markt. Diese neuen, sogenannten funktionellen Schuhe wurden als Meilenstein gefeiert. Funktional heißt wohl, dass sich sein Nutzer, wie bei einem Fitnessgerät einfach nur „einklinken“ muss und loslegen kann, ohne vorher Technik und Bewegungsabläufe erlernen zu müssen. Der Schuh gibt den Bewegungsablauf vor. Joggen ist daher bequem. Der Mensch liebt es, bequem zu sein um Energie zu sparen. Außerdem ist Joggen der pendelartigen Gehbewegung sehr ähnlich. Es müssen verhältnismäßig wenig neue Muskelgruppen aktiviert werden. Ermöglicht durch das Fersenpolster unterm Schuh, landen Jogger wie beim Gehen auf der Ferse. Dabei schießt das 2-3-fache des Körpergewichtes ungebremst in Knöchel, Schienenbein, Knie, Hüfte und Wirbelsäule.

running_injuryDie 2cm Gummi unter der Ferse nehmen dem Jogger dabei nur den ersten Schmerz, der ihn normalerweise daran hindern würde unter dieser Belastung so zu laufen. Hüpfe ein paar mal auf der Stelle und komme dabei bewusst mit der Ferse auf. Aua. Du wirst es vermutlich schnell wieder lassen und auf den Vorfuß umstellen. Jogger haben zudem einen langsamen, klebrigen Rhythmus mit langer Bodenkontaktzeit. Sie sind instabil, da ihre Beine sich nicht unter dem Körperschwerpunkt bewegen und müssen diese Instabilität meist durch eine nach vorne gelehnte Haltung des Rumpfes kompensieren. Die physische Beweglichkeit der Menschen in westlich geprägten Ländern nimmt immer weiter ab. Durch stundenlanges Sitzen und das Tragen von deformierenden Schuhen sind sie gar nicht mehr in der Lage, natürlich zu laufen. Joggingschuhe geben ihnen die Möglichkeit trotz verkürzter Sehnen und Muskeln in Hüfte, Beinen und Füßen, die im Alltag kaum noch beansprucht werden, diese Sportart auszuüben. Die Schuhe unterstützen den Körper weiter, so wie er es von Stühlen und Schuhwerk gewohnt ist. Joggen ist zwar bequemer als richtiges Laufen aber nicht effizienter, denn der Vorschub wird hauptsächlich durch reine Muskelkraft generiert. Beim Laufen mit gekonnter Barfußtechnik besteht die Bewegung zu 50% aus Kraftaufwand und zu 50% aus Elastizität. Kommt man mit dem Vorfuß auf, wird die Achilles-Sehne gespannt wie eine Feder und kann beim Absprung diese geladene Energie wieder freigeben. Kommt der Läufer mit der Ferse auf, schießen nicht nur die Aufprallkräfte ungebremst in seinen Körper, er kann auch diesen natürlichen Feder-Mechanismus nicht nutzen. Er bremst sich quasi bei jedem Schritt selbst aus und muss für jeden Schritt mehr Kraft aufwenden.

 

Fazit:
Laufen kann wunderschön sein und wer schon einmal etwas länger gelaufen ist, spürt dieses freie, natürliche Gefühl. Wir sind zum Laufen geboren und unser Körper reagiert entsprechend positiv darauf, wenn er bekommt, was er braucht. Der überwiegende Teil der Hobby-Sportler geht aber nicht davon aus, dass sein Körper dies auch ohne Unterstützung kann und gibt sich blind in die Hände der Sport-Industrie. Die kulturelle Konvention lautet: Wenn man richtig Laufen will, braucht man gute Joggingschuhe. Das haben uns die Schuhhersteller über Jahrzehnte gelehrt und in uns verankert. Da unsere Physis aber für diese unspezifische Belastung nur bedingt ausgelegt ist, sind Verletzungen vorprogrammiert. Sicher, auch in dicken Schuhen ist der Mensch zu hohen Leistungen im Stande. Unser Körper ist sehr anpassungsfähig. Man kann ihn auch darauf trainieren, dass er 200kg stemmen kann. Vieles geht irgendwie. Die Frage ist aber: zu welchem Preis? Kommt es auf Zeiten, Kilogramm und Weiten an oder am Ende vielleicht doch eher auf einen gesunden und funktionierenden Körper?
Bewege Dich so, wie es deine Natur vorsieht und du wirst schmerzfrei sein. 

 

HIER kannst du die natürliche Barfuß-Lauftechnik erlernen 

 

weiterführende Informationen:

http://www.originfit.de/warum der Mensch läuft, nicht joggt

http://www.originfit.de/wie-wir-den-Boden-unter-den-Füßen-verlieren

http://www.originfit.de/laufen-ist-wie-kiffen

 

 

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